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R. Winkel: Reasons for failure |
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Klassenarbeit Klasse 5 |
An
Stelle von Angst müssen wir uns um Fröhlichkeit bemühen.
An Stelle von Leistungsdruck sollten wir Lehrer und auch Eltern Arbeitsfreude
vermitteln.
An Stelle von Hetze müssen wir uns Zeit nehmen und anderen Zeit zur
Verfügung stellen.
An Stelle von Verurteilungen sollte wieder Verständnis treten.
An Stelle von Gleichgültigkeit kann letztlich nur die Liebe helfen.
Abbau des Frontalunterrichts zugunsten von mehr Gruppenunterricht.
Schülerorientierte Curricula
Nicht Lehrerisolation, sondern Lehrerzusammenarbeit.
Keine Elternfeindlichkeit, sondern größtmögliche Einbeziehung
der Eltern
An Stelle der rigiden Notengebung Transparenz der Zensuren, sparsamer Gebrauch
derselben
und allmählicher Übergang in eine lerndiagnostische Beratung.
Ermittlung der Angstursachen
Unterstützende Therapien
Hilfestellung bei der Einübung eines angstfreieren Lebens
Edukative und didaktisch-methodische Korrekturen
Verstöße gegen dieses Normensystem werden als
"anormale" oder "kranke"
Verhaltensweisen registriert.
In Form von Beurteilungen wird das Material für Aktenkarrieren
bereitgestellt.
Die Prozesse der Etikettierung beginnen sich u.a. durch Halo- und
Pygmalion-Effekte auszudehnen, d.h. einzelne Eigenschaften bzw. Merkmale
eines verdächtigen Individuums werden aufgrund einer Vorurteilsbildung
verzerrt, verallgemeinert, ignoriert oder ausgelöscht (Wer
lügt, der stiehlt) bzw. bestimmte Verhaltensweisen und Leistungen
werden durch bestimmte Erwartungen verstärkt oder unterdrückt
(Glaube kann Berge versetzen.)
Dieses Geschehen mündet in einen Stigmatisierungsprozeß,
wobei der Abweichler nun gänzlich gekennzeichnet ist.
Parallel dazu reagiert das stigmatisierte Individuum seinerseits
mit den erwarteten bzw. befürchteten devianten Verstärkerprozessen.
Als Ausweg bleiben ihm nur offen: entweder gänzlich zum Außenseiter
zu werden, mit allen Folgen psychisch-sozialer Anormalität oder
aber sich therapieren d.h. an die Ausgangsnormen anpassen
zu lassen.
Man könnte diese Prozesse pointiert so kennzeichnen, daß Institutionen
(wie z.B. Schulen) sich über die Etikettierung und Stigmatisierung
diejenige Population schaffen, die sie für die Aufrechterhaltung
ihrer Normen (zu denen ja auch deren Infragestellung gehört) benötigen.
Ausführen des
Gebotes (z.B. Zuhören)
Annehmen der Strafe
(z.B. Sonderaufgaben)
Unmittelbares Anrennen
gegen die Barriere (z.B. aus dem Klassenzimmer laufen, zu spät zum
Unterricht kommen.)
Mittelbares Anrennen
(z.B. Provokationen)
Abkapselung (z.B. das
Konfliktfeld ignorieren
Trotz (z.B. stereotyp
Verneinungen äußern)
Flucht in die Irrealität
(z.B. Tagträume, Drogengenuß)
Das heißt konkret: Solange auf Barrieren, Lohn und Strafe, Tricks und Überrumpelung zu Gunsten einer das Interessenfeld radikal offenlegenden Information nicht verzichtet wird, solange imperiale Strukturen nicht tendenziell aus dem Erziehungs- und Unterrichtsfeld entlassen werden, ist der "freche" Schüler eine logische Konsequenz. Zu einer gefährlichen Ideologie wird die "Frechheit" des Schülers jedoch dann, wenn Ursachen mit
Wirkungen verwechselt und Einsichten verschwiegen werden.
Die " Frechheit " des Schülers
ist nicht Ursache des Disziplinkonfliktes, sondern die Folge einer barriereumschlossenen
Erziehungs- und Unterrichtssituation.
Der "faule" Schüler
" Faulheit" und "Interesselosigkeit" werden in der Regel als Ursachen des Schulversagens angesehen. In keinem Fall wird die Frage aufgeworfen, ob eventuell das schulische Versagen "Faulheit" bzw."Interesselosigkeit" zur Folge hat.
Die Schüler reproduzieren in Grundzügen das Stereotyp des Schulversagers, das ihnen ihre Lehrer vorgeführt haben. Es hat in der "Faulheit", dem "Nichtwollen" seinen Kristallisationspunkt. Dieses Merkmal " Faulheit " zeigt darüber hinaus eine Prägnanzsteigerung und strahlt auch auf andere Persönlichkeitsmerkmale aus, so daß weitere Negativa assoziiert und eventuelle Positiva abqualifiziert werden. Der Rolle des Lehrers als Verhaltensvorbild kommt bei der Ausprägung der Ideologie vom "faulen" Schüler ein entscheidendes Gewicht zu. Solange schulisches Versagen persönlich genommen, dem Schulversager das Stigma des Faulen, Böswilligen, moralisch Schuldhaften usw. zugesprochen wird, können weder von den Betroffenen noch den Mitschülern und Eltern rationale Analysen und pädagogisches Verstehen des versagenden Schülers verlangt werden.
Pädagogische Schlußfolgerungen (nach Jopt):
Erstens muß die Motivation, d.h. die Lernfreude dieser Schüler gehoben bzw. geweckt werden.
Zweitens sollten Lehrer die Schwierigkeitsgrade ihrer Aufgaben so staffeln, daß auch lerngehemmte Schüler echte Erfolgserlebnisse bekommen.
Drittens gilt es, über die Humanisierung
der edukativen und didaktisch-methodischen Arrangements des Lehrers solchen
Schülern Selbstvertrauen zu
vermitteln.
Der "schlechte" Schüler:
Im allgemeinen erhöhen erfolgreiche Schüler ihr absolutes Anspruchssniveau,
während versagende Schüler es senken.
Der Schüler paßt sein Anspruchsniveau seinem Leistungsniveau
an.
Bei anhaltendem Mißerfolg sinken Leistungsverhalten, Anspruchsniveau
und Fleiß erheblich. Die Zieldiskrepanz ist häufig unrealistisch
hoch und wird daher vom Schüler als nicht mehr verbindlich angesehen.
Einen Schüler objektiv als "gut" oder "schlecht" zu bezeichnen, muß
im Lichte der Untersuchungen als höchst fragwürdig erscheinen.
Was sich eventuell auf Grund eines "Pygmalion-Effektes" dem Lehrer als
"gut" bzw "schlecht" zeigt, ist mehr die Reproduktion seiner Erwartungshaltung
als objektive Klassifizierung.
Lehrer trennen deutlich drei Gruppen von Schülern: beliebte, unauffällige
und unbeliebte, wobei unbeliebte Schüler häufiger
als die beiden anderen Gruppen als besonders unkameradschaftlich, unintelligent,
unsympathisch, unbegabt, faul,
unehrlich
und unzuverlässig beschrieben werden.
Lehrer sprechen unbeliebten Schülern häufiger die Kooperationsbereitschaft
ab.
Unbeliebte Schüler machen negativere Erfahrungen mit Mitschülern
und Lehrern als beliebte oder unauffällige.
Unbeliebte Schüler erwarten bei Selbsteinschätzungen mehr Ablehnungen
als alle anderen Schüler.
Unbeliebte Schüler äußern mehr Angst als die Mitschüler
mittlerer oder hoher Beliebtheit.
Unbeliebte Schüler zeichnen
sich durch ein signifikant niedrigeres Selbstwertgefühl aus.
2. Empirische
Untersuchungen belegen immer wieder, daß das schulische "Frech-sein",
"Faul-sein", "Schlecht-sein","Unbeliebt-sein" keine angeborenen Eigenschaften,
invariable Verhaltensweisen oder endogene Defekte sind, sondern durch vielschichtige
Gruppenprozesse bestimmten Schülern zugesprochen werden.
3. Es
kann immer häufiger festgestellt werden, daß so scheinbar unwandelbare
Merkmale des Schülers wie "Frechheit" und "Faulheit" nicht die Ursachen
seines momentanen Verhaltens sind, sondern Folgen früherer Frustrationen,
schleichender Depressionen oder Reaktionen auf unüberwindlich erlebte
Lernbarrieren.
4. Da
eine Ideologie wie die vom "frechen", "faulen", "schlechten" und "unbeliebten"
Schüler dem Anspruch eines bestimmten Kommuniqués sich verpflichtenden
Schule (vgl. Artikel 1 unseres Grundgesetzes) zuwiderläuft, sind laufende
Untersuchungen nötig, die eine Zersetzung dieser und ähnlicher
Ideologien in Gang bringen und das Aufkommen neuerlicher Ideologien verhindern.
5.Lehrer,
Schüler und Eltern werden sich in selbstkritischer Rationalität
immer wieder die Frage stellen müssen: Was hat es mit diesem und jenem
Urteil, mit diesem und jener Maßnahme, mit dieser und jener Ansicht
vor dem Hintergrund unseres eigenen Anspruchs auf Objektivität und
angesichts aller in Frage kommenden Fakten sowie auf einer auf Humanität
sich gründenden Schule und Erziehung eigentlich auf sich ?
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